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Weltbilder

 ein Lied über den Prozess von Verstehen, Erkenntnis

oder wie auch immer man das nennen will.

mit den Hintergedanken, dass Lernen immer auch

Verlernen heißt & Erleuchtung nur im Dunkeln geht.

 

 

how can we make sense of ourselves*?

Simon Stephens 

 

oftmals braucht es erst einen Anlass (oder auch eine Anhäufung solcher), um sehen, lernen, verstehen wollen zu können. weil dieses Sehen, Lernen, Verstehen zunächst einmal bedeutet, sich fallen-, weil: loszulassen; von dem, was bisher getragen hat. von Erklärungen. von Ordnung. von Menschen und anderen Teilen des alten, vertrauteren Lebens.

 

bis dir ein Anerkennen von Unbequemerem und eine (rückwirkende) Erkenntnis möglich ist, hast du also schon einige Zeit mit Verdrängen verbracht, ob bewusst oder weniger. und jetzt einen unverklärten Blick auf Dinge zu richten, die anzusehen womöglich ein wenig wehtut, ist nun einmal, wie ein Pflaster von der Wunde zu reißen. erstmal aua. aber dann kann sie halt auch erst richtig heilen, an der Luft.

 

 

 bring mich zurück an den Anfang.

Max Prosa

 

und ja, nach dem Durchbrechen der Weltordnung, wie sie bisher für dich galt, sieht es erstmal nackt aus im Zimmer. du weißt eine Weile lang nichts; bist in der Schwebe. ohnehin war die Aktion nicht ganz unbeschwerlich, sie raubte einiges an Energie. herausfinden und -winden hängen eben eng miteinander zusammen.

 

aber du weißt auch: was um dich ist, das wird in dir. und du willst dich nicht länger Augen-Blicken aussetzen (wo doch dein Gehirn alles glaubt, was du siehst), die nicht mehr dem entsprechen, was du eigentlich inzwischen denkst und weißt und willst.

 

also - lässt du es zu. gestehst du dir (die) Dinge ein. richtest du deine Taschenlampe auch in die dunkelsten Ecken und stellst dich dem, was du dort siehst.

 

und irgendwann kommt ja in jedem Aufwachen dieser Moment, da es anstrengender wird, die Augen weiter zuzuhalten, als sie aufzumachen. - in diesem Sinne:

 

Lassen Sie uns verstehen.

Hartmut Rosa

 

 

  

 *(or anyone or anything in this whole dear world) Anm. v. friedo

 

 du hast die alten Weltbilder von der Wand genommen / hast sie zerschnitten, gedreht und neu zusammengeklebt / ja, klar, es tat auch weh, so ist Realität // die jüngste Vergangenheit hat gezeigt / wie absurd deine Wirklichkeit war / und was 'wahr' ist nur wahr wirkt / anscheinend beleuchtet von komischem Licht / es war leicht, zu übersehen / du warst gewohnt, zu übergehen / dir fehlte die Übersicht / nur, du fandest den Übergang nicht // der Schritt zur Erkenntis ist meist doch länger als gedacht / womit auch immer du bisher gemessen hast, hat dich um so vieles gebracht / wenn keine Schablone mehr passt / du dich schützen musst vor dem, was schützte / wühlst und auf eine Antwort hoffst, dass alles irgendwas nützte // du distanzierst dich von der Distanz / schaust jedem Bild in die Augen und / jedes Pixel vor dir tanzt / Polaroid Nummer neuntausend und du stellst wieder scharf auf Damals, wartest, bis sich Sinn drin findet / – kommt das Licht da an? / das letzte Streichholz angezündet // du bist so lang wie 'ne Motte um den falschen Mond geflogen / der Winkel stimmte nicht / jetzt hast du ihn gebogen / und auch, wenn die Lampe spottet / du hast dich an ihr hochgezogen / endlich - du folgst dem Licht, das Licht folgt dir / das heißt: die bösen Geister haben gelogen // du hast die alten Weltbilder von der Wand genommen /  hast sie zerschnitten, gedreht und neu zusammengeklebt

 

Text, Musik & Produktion:

friedo | friederike dreessen

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